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Der Künstler Arturo Hernández Alcázar

Warum interessiert sich Alcázar für Zerstörung und Auflösung? Warum wählt er so unterschiedliche Ausgangs-Materialien, wie Abrisselemente aus Beton, Staub oder altes Metall – besonders Kupfer – oder Zeitungen?

Das schwere Erdbeben in Mexiko-Stadt 1985

Mexiko, die Heimat Arturo Hernández Alcázars, ist ein Land, indem es regelmäßig schwere Erdbeben gibt. Die Gefahr, bei einem Erdbeben verletzt oder getötet zu werden, ist immer präsent.

1985 hat ein besonders starkes Erdbeben Mexiko Stadt getroffen. Das Erdbeben von Mexiko-Stadt (auch Erdbeben von Michoacán) vom 19. September 1985 war mit tausenden Toten das verheerendste Erdbeben in der Geschichte Mexikos. Zehntausende wurden verletzt, durch die Zerstörung und Beschädigung von tausenden Häusern wurden eine Viertelmillion Menschen obdachlos. (wikipedia: „Erdbeben von Mexiko-Stadt 1985“)

Alcázar, der in Mexiko Stadt lebt, war zu diesem Zeitpunkt sechs Jahre alt. Die Zonen, in denen besonders viele Häuser zerstört wurden, waren gleichzeitg „eine Landkarte einer Architektur der Korruption, die systematisch in der schnell wachsenden Stadt zu finden war“ erzählt der Künstler und weiter: „Die Bilder des Erdbebens, da bin ich mir sicher, veränderten etwas in meiner Sichtweise. Dokumententationen von zerstörten Zonen und Fotos aus Zeitschriften zeigten mir die Zerbrechlichkeit und Vergänglichkeit des scheinbar Festen und Soliden. Gebäude, von denen nur noch ein Gerüst übriggeblieben war, nur noch von ein paar Stützen festgehalten, leere Straßen, temporäre Zeltstädte der Leute, die sich in notdürftige permanente Siedlungen umwandelten. … Das sind die ersten starken Erinnerungen, die ich habe“

[frei übersetzt und zitiert nach: Arturo Hernández Alcázar, in: punto de fuga, plataforma experimental del arte y de la fotografia. https://puntodefugabogota.com/2017/05/03/arturo-hernandez-alcazar-una-filosofia-del-colapso/ Oktober 2017]

Zerstörung und Wiederaufbau – Wirtschaft und Korruption

Schon in dieser Beschreibung aus seiner Kindheit finden sich Elemente, die seine Arbeite bis heute prägen: Die Erfahrung, dass die scheinbar feste Umgebung sehr plötzlich oder sehr leicht brüchig werden kann, verbunden mit der Beobachtung, dass damit oft auch wirtschaftliche Hintergründe im Spiel sind. Die Häuser in den Armenvierteln von Mexiko Stadt sind viel schneller zusammengebrochen als in anderen Stadtvierteln, weil bei ihrem Bau billige, minderwertige Materialien verwendet wurden oder Bauvorschriften umgangen wurden. Das alles hängt mit Korruption im Baugewerbe zusammen.

„Seine Arbeit spielt mit Zerstörung, Zerkleinerung, Aufhebung, Auflösung oder wieder Eingliederung in den ökonomischen Kreislauf.

Kupfer, Rauch, Eisen, Archive, Zeitungen, Geld, Steine und Abbruchgebäude sind Bestandteile seiner Arbeit und befinden sich in ständiger Transformation.“

[frei übersetzt von: http://www.arturohernandezalcazar.com/home-eng , 0ktober 2017, Homepage von Arturo Hernández Alcázar]

Die Bauruine als Werkstätte und Atelier

Nicht nur die Arbeit in Amstetten verwendet Material aus einer Bauruine. Die Bauruine ist ein wiederkehrendes Symbol für die Wirtschaftskritik des Künstlers und gleichzeitig immer wieder auch sein Arbeitsplatz, seine Werkstatt: Viele seiner Projekte funktionieren so, dass er sich in ein Abrissgebäude begibt und dort auch arbeitet, mit den Dingen, die er dort findet und ganz ohne eigenes Atelier.

Anderer Arbeiten verwenden Zeitungen oder Staub, wie Z.B. in diesem Video:

[https://www.youtube.com/watch?v=DCCzpSLvDKc Arturo Hernández Alcázar, Canon for Seven Broom and an Empty Building (Fragmento), 2012, short version]