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Die Künstlerin Agnes Fuchs

Eine Arbeit speziell für die LBS Baden

Die Künstlerinnen und Künstler, die Arbeiten für die NÖ Landesberufsschulen gestaltet haben, arbeiten sehr unterschiedlich. Manche bringen ihre individuelle, für sie typische künstlerische Ausdrucksform mit und konfrontieren die Schule damit. Andere verlassen ihre gewohnte Arbeitsweise, um auf die Schule speziell einzugehen.

Agnes Fuchs gehört – jedenfalls was ihre Arbeit in Baden betrifft – eindeutig zum zweiten Typ. Die Arbeit ist speziell für die Schule konzipiert und ganz auf die hier unterrichteten Lehrberufe zugeschnitten.

Sie lässt sich mit ihrer Arbeit an der Landesberufsschule Baden auf ein Experiment ein: Als eher grafisch arbeitende Künstlerin setzt sie Ideen in Form von Bildern um, also meistens zweidimensional. Die Formen, die in den Ausbildungen Bäckerei, Konditorei, Confiserie, Zahntechnik und Wachsziehen vorkommen, sind aber keine zweidimensionalen grafischen Formen sondern meistens Gussformen.

Als grafisch arbeitenden Künstlerin fragt sie sich: Wie kann ich Weichheit und Form umsetzen in eine Bildsprache? Wenn ich eben nicht gelernte Konditorin, Zahntechnikerin oder Wachszieherin bin?

Was passiert, wenn ich Apparate zu Bildern mache?

Obwohl Agnes Fuchs in Baden speziell für die Arbeitstechniken der an der LBS gelehrten Berufe etwas Neues ausprobiert, lässt sich in einem Punkt eine Beziehung zu ihren sonstigen Arbeiten erkennen: Auch viele ihrer anderen Arbeiten beschäftigen sich mit der Frage, wie technische Prozesse, oder technische Apparate, oder Ergebnisse von technischen Prozessen aussehen, wenn man aus ihnen zweidimensionale, handgezeichnete oder gemalte Bilder macht.

Es sind oft Maschinen, die Agnes Fuchs zeichnet oder malt (oder manchmal auch für Videoarbeiten bzw. Installationen verwendet). Am liebsten Maschinen aus der Zeit zwischen den 60er und 80er Jahren, die heute gar nicht mehr verwendet werden, z. B. Fernschreiber:

Fernschreiber sind Vorläufer vom Geräten wie dem Faxgerät, nur dass die Informationen damals noch Zeichen für Zeichen übertragen wurde und dann auf einem Papierstreifen ausgedruckt wurde. Z. B. das Teletype Modell 33 von der Teletype Corporation das von 1963 bis 1981 produziert wurde – eine Maschine, die gerade einmal 10 Zeichen pro Sekunde schaffte. Diese Maschine wurde 18 Jahre lang (!) gebaut und verkauft. So etwas ist für Agnes Fuchs wert, als Bild festgehalten zu werden. In konkreten Fall als Kohlezeichnung, in einer Serie mit andern Zeichnungen von ähnlichen Geräten.1

Laut ihrer Galerie sind viele der Fotos, die sie als Vorlagen für ihre Zeichnungen und Malereien verwendet, aus dem Archiv ihres Vaters2. Sie verwendet aber auch filmische Szenen als Vorbilder, z. B. Szenen aus frühen James Bond-Filmen.

Ein verwandtes Thema sind Labore, Kontrollräume und wissenschaftliche Experimente, mit denen sich Fuchs ebenfalls gerne auseinandersetzt: Dabei beschäftigt sie, wie Bilder, die durch Experimente oder wissenschaftliche Bildgebung (z. B. im Mikroskop oder im Fernrohr) entstehen, eine eigene Bildsprache entwickeln, die oft nur von ExpertInnen entschlüsselt werden kann.

Und sie untersucht, was mit solchen Bilder passiert, die eigentlich nur für ExpertInnen gemacht sind noch einmal malt oder zeichnet oder filmt. Was passiert also mit diesen Bildern, wenn man sie aus ihrer wissenschaftlichen, experimentellen Umgebung herausnimmt, mit neuen Mitteln reproduziert und in eine Kunstgalerie hängt.

Im Herbst 2009 hatte sie selbst Gelegenheit, an einer wissenschaftlichen Expedition teilzunehmen: Eine Meeresexpedition (Expedition 313) des deutschen Meeresforschungszentrums Marum Bremen das Proben aus Bohrungen aus dem Schelfmeer vor New Jersey (USA) sammelte3 4. Daraus entstand die Videoarbeit „Expedition 313“5. Zu sehen ist unter anderem das Schiff, dass zum Einsatz kam: ein Vehikel, das in der Lage ist, sich in eine Bohrplattform zu verwandeln und dann wieder zurück in ein Schiff – ein Transformer.

Agnes Fuchs, geboren 1965 in Wien, lebt und arbeitet in Wien und Berlin

Fußnoten